Toleranzanalyse mit VisVSA

 


für eine effektive Produktentwicklung




Toleranzanalyse mit VisVSA

Die Software VisVSA simuliert im frühen Stadium der Produktentwicklung den Einfluss von Toleranzen auf funktionale und kundenrelevante Qualitätsmerkmale (wie z.B. Spalt- und Fugenmaße im Karosserierohbau, Dichtheit von Türen, Getriebefunktionalitäten, …).

Die Simulation berücksichtigt sowohl Fertigungs-, als auch Prozesstoleranzen. Dadurch werden neben fertigungsbedingten Unschärfeeinflüssen wie Form- und Lagetoleranzen aus Materialbearbeitung (Tiefziehen, Biegen, Fräsen, ...) auch prozessbedingte Streuungen aufgrund von Fügefolge, Ausrichtung von Komponenten und Baugruppen, Montagespiel und Anordnung von Vorrichtungen abgebildet.


VisVSA  wird allerdings nicht nur zur reinen Toleranzanalyse verwendet. Die Funktionalitäten des Programms lassen eine Vielzahl von zusätzlichen Möglichkeiten zu, wie z.B. die Rückführung realer Messdaten aus der Serienproduktion in das Simulationsmodell oder die Integration von Ergebnissen aus 'Finite Elemente' Berechnungen.

Abb. 1: Möglichkeiten der Toleranzanalyse mit VisVSA


Anwendungsbereiche von VisVSA

Der Anwendungsbereich von VisVSA ist vielfältig. Neben der Automobil- und Zulieferer-Industrie findet die Software in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Konsumgüterindustrie, Maschinenbau und Medizintechnik Verwendung.

Die Software bietet neben den Standard-Montagefunktionalitäten die Möglichkeit, komplexe kinematische Zusammenhänge mit rotierenden Bauteilen und tangentialen Kontakten (z.B. Bolzen auf Ebene) abzubilden und zum Verständnis für Präsentationen zu animieren. In Kombination mit VisMockUp Funktionalitäten lassen sich an statischen und kinematischen Modellen toleranzbehaftete Kollisionsuntersuchungen durchführen.

Dem fortgeschrittenen Anwender steht darüber hinaus eine C++ Schnittstelle zur Verfügung, um kundenspezifische Applikationen zu programmieren.

Mit dem Software Release 5.0 ist es nun auch möglich die Ergebnisse von FEM-Simulationen mit der Toleranz Analyse zu verknüpfen. So können nun auch Baugruppen bei verschiedenen Betriebszuständen (inkl. äußerer Krafteinflüsse und / oder thermischer Belastungen) oder flexible Bauteile betrachtet werden. Weitere Informationen hierzu finden Sie nachfolgend unter:

Toleranzanalyse mit deformierbaren Bauteilen

auf der letzten Seite.


Simulationsumgebung

VisVSA ist ein Add-On der Digital Mock Up Software VisMockUp . VisMockUp ist Bestandteil des TEAMCENTER VISUALIZATION® Portfolios von UGS PLM SOLUTIONS und dient zur Visualisierung umfangreicher CAD-Datensätze und Durchführung von Digital Mock Up Untersuchungen (z.B. nominale Kollisions- und Einbauanalysen).

Weitere Möglichkeiten bietet VisMockUp im Bereich von Kommunikation und technischer Dokumentation (Schnitte, Markups, Screenshots, Animiationen, etc).

Ausführliche Informationen zu allen TEAMCENTER VISUALIZATION® Produkten erhalten Sie auf der Homepage von UGS PLM Solutions (http://www.ugsplm.de/produkte/teamcenter/).

Als Datenbasis für VisMockUp dienen die nominalen CAD Daten im *.jt-Format. Dieses tesselierte Format entsteht durch das Konvertieren von CAD Daten aus verschiedenen CAD Systemen (siehe Abb. 2). Dabei werden die Daten auf bis zu 30% ihres Ausgangsvolumens reduziert, wobei detaillierte Geometrie-Informationen (z.B. Achs- und Punktkoordinaten, Vektoren) erhalten bleiben.

Abb. 2: Tesselieren von CAD Daten


Über eine Direkt-Schnittstelle (in VisMockUp integriert) können weitere Standard-Datenformate wie STEP, IGES, Vrml, etc. eingelesen werden.



Simulationsprogramm - VisVSA

Die Bedieneroberfläche von VisVSA wird in Abb. 3 gezeigt. Auffallend ist die Anlehnung der grafischen Oberfläche an Windows-Standards mit charakteristischen Menüleisten und 'Smart Buttons', die zur Implementierung von VisVSA Funktionalitäten verwendet werden.

Auf der linken Bildschirmseite ist der 'Prozessbaum' bzw. das 'Prozess Dokument' abgebildet. Im Prozessbaum werden alle für die Simulation benötigten Informationen in übersichtlicher und nachvollziehbarer Form gespeichert und dargestellt. Eine Auflistung aller Informationen im Prozessbaum zeigt Abb. 4 (siehe nächste Seite).

Im rechten Fenster von Abb. 3 werden die aktivierten Komponenten oder Feature visualisiert, sowie die Feature-Geometrie durch einfache Selektion erzeugt.

Alle Informationen der Toleranzsimulation werden in einer *.pdo-Datei gespeichert.



Abb. 3: VisVSA Bedienoberfläche


Eines der wesentlichen Merkmale von VisVSA  ist, dass die CAD-Geometrie (jt-Daten) lediglich durch einen Link mit der Simulation verknüpft ist. Der Vorteil hierbei ist einerseits, dass selbst umfangreiche Toleranzmodelle mit vielen Einzelteil-Geometrien, wie z.B. der gesamte Karosserie Rohbau eines Fahrzeugs, in handlichen pdo’s mit handelsüblichen Windows-PC’s abgebildet werden können. Andererseits entsteht durch diese Entkoppelung von CAD-Geometrie und Toleranzmodell die Möglichkeit, bestehende Simulationsmodelle durch Neusetzen der Links auf neue Produktentwicklungen zu übertragen. Zudem können auch Simulationen zu einem Zeitpunkt durchgeführt werden, an dem noch gar keine bzw. keine endgültige CAD Geometrie zur Verfügung steht (Feature basiertes Toleranzmodell).


Dem Anwender steht somit zusätzlich zum Toleranzmodell eine geometrieunabhängige Prozessdatenbank zur Verfügung, in der alle für den Produkt-Entstehungsprozess relevanten Informationen aus den verschiedenen Unternehmensbereichen (Entwicklung, Konstruktion, Fertigung, Produktion, Qualitätssicherung) und von Systemlieferanten in einem zentralen Dokument gespeichert werden. Dies bedeutet, dass personen-, abteilungs- oder firmengebundene Prozess-Informationen in einem neutralen, transparenten System gesichert und verfügbar gemacht werden.


Die rein PC-basierte Software ist unter den Betriebssystemen Windows 98, Windows 2000 und Windows XP (Stand Juli 2004) verfügbar.



 

Abb. 4: Prozess-Informationen im Prozessdokument

Erstellung eines Simulationsmodells

Die Erstellung eines VisVSA Simulationsmodells erfordert die Durchführung folgender Einzelschritte:

 

1.       Import der tesselierten *.jt-Daten

2.       Definition von Montagestruktur und Fügefolge im pdo; Erstellung fehlender Bauteile, Baugruppen und Vorrichtungen

3.       Erzeugung der für Montage (Festlegung der 6 Freiheitsgrade von Einzelteilen und Baugruppen) und Messungen notwendigen funktionalen VisVSA Features (z.B. Bolzen, Ebenen, Löcher, etc.) an jt Geometrie; Festlegung von Bezugssystemen und Toleranzen

4.       Definition der Montage

5.       Definition der Qualitätsmerkmale (Spalt-, Fugenmessungen, etc.)

 

Bei der Vergabe der Toleranzen hat der Anwender die Möglichkeit, neben der standardmäßig eingestellten +/- 3 Sigma Normalverteilung unterschiedliche statistische Verteilungen und Sigmawerte für einzelne Streuungen anzugeben. Dadurch können Erfahrungs- oder maschinenspezifische Werte für einzelne Toleranzen im Simulationsmodell definiert werden.

Abb. 5: Statistische Verteilung von Einzeltoleranzen


Die anschließend durchgeführten, voneinander unabhängigen statistische Simulationen (Monte Carlo und High-Low-Median) liefern die in Abb. 6 gezeigten Ergebnisse.

 

Abb. 6: Ergebnisse der Monte Carlo und High-Low-Median Simulation

Die Monte-Carlo Simulation ermittelt Werte wie die Streuung eines Qualitätsmerkmales, den prozentualen Anteil der Fehlteile/Nacharbeit sowie die Prozessfähigkeits-Indices cp und cpk.

Zur exakten Analyse und Optimierung des Simulationsmodells dient die High-Low-Median Simulation. Diese listet die Verursacher der in Monte-Carlo ermittelten Streuung nach deren prozentualen Gewichtung auf.

Die Ergebnisse aus der Monte-Carlo und High-Low-Median Simulation bergen erhebliches Optimierungspotential. Sie ermöglichen es dem Anwender durch gezielte Maßnahmen wie

Konstruktive Verbesserungen,

  • Änderungen der Fügefolge,
  • Änderung von Bezugssystemen,
  • Optimierung der Ausrichtung von Bauteilen und Baugruppen,
  • Einengung von Toleranzen,
  • Aufweitung von „Angsttoleranzen“, etc.

Qualitätskriterien einzuhalten und für sichere, reproduzierbare und kostengünstige Prozesse zu sorgen.

Eine genaue Beschreibung der Simulationstechniken sowie ein Vergleich unterschiedlicher Toleranzanalyse-Methoden kann auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden.


Visualisierung und Dokumentation von Simulationsergebnissen

Durch die Integration von VisVSA in die VisMockUp Umgebung stehen dem Anwender eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Visualisierung und Dokumentation der Simulationsergebnisse zur Verfügung. So lässt sich z.B. der Einfluss von Toleranzen auf einzelne Qualitätsmerkmale darstellen, indem man die Bewegung der Bauteile animiert und direkt aus der Software heraus ein Video erstellt. Komplexe Toleranzsachverhalte können so auch ohne die Software VisVSA präsentiert und einfacher begreiflich gemacht werden. Weitere Möglichkeiten ergeben sich durch:

·       Erstellung von Schnitten

·        Transparenz von Bauteilen

·        Änderung von Bauteilfarben,

·        Export der Ergebnisse in ASCII-Formate für standardisierte und automatisierte Berichte, etc.

 

Die statistischen Ergebnisse aus Monte-Carlo und High-Low-Median Simulation können im Postscript- oder Text-Format gespeichert und für Dokumentationen zur Verfügung gestellt werden. Die direkte Einbindung der Ergebnisse in Word Dokumente wird durch Speicherung einzelner Ergebnis-Fenster in die Zwischenablage und Einfügen in das Office Dokument („copy and paste“) ermöglicht.



Messdaten-Rückführung in das Simulationsmodell

In VisVSA besteht die Möglichkeit, Punkt-Dateien (*.pts-Format) einzulesen und diesen dann Messdaten aus der Produktion zuzuweisen.

In einem *.pts-Dokument sind die Koordinaten und Vektoren von (falls notwendig mehreren hundert) Punkten im ASCII-Format abgelegt. Dieses Dokument kann direkt das Simulationsmodell eingelesen und einem Bauteil zugeordnet werden (siehe Abb. 7).
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Abb. 7: Einlesen von Punkt-Dateien

Zum Einlesen der Messdaten müssen diese in standardisierter Form (*.csv-Format) vorliegen. Dieses *.csv-Dokument wird über ein Perlskript in eine *.xml-Datei umgewandelt.(siehe Abb. 8).

Abb. 8: Messdaten-Rückführung

Die so erzeugte *.xml Datei kann dann in VisVSA eingelesen und den zuvor importieren Punkten oder anderen Bauteil-Elementen zugewiesen werden.


Toleranzanalyse mit deformierbaren Bauteilen

Mit VisVSA kann die „Verbiegung“ flexibler Bauteile/Baugruppen bei Montage an starren Anlagen (z.B. Vorrichtungen, massive Komponenten) in der Toleranzanalyse mit berücksichtigt werden.

VisVSA greift dabei auf die Ergebnisse Finiter Elemente Untersuchungen zurück. Die FEA Ergebnisse werden in I-DEAS im ASCII Format *.univ (universal file format) abgespeichert. Falls dies nicht möglich ist, ist in VisVSA ein Nastran *.op2-Datei Konverter mit integriert. Die Deformationspunkte aus dieser „Biegematrix“ können nun Bauteilen/Baugruppen in VisVSA zugewiesen und in einer „Flex Assembly Operation“ mit simuliert werden.

 

 


Abb. 9: FEA Montage Operationen in VisVSA